Zu Besuch im Jüdischen Museum

Im Geschichtsunterricht der Mittelstufe setzen sich Schülerinnen und Schüler mit der Ausgrenzung, Verfolgung und Ermordung jüdischer Mitmenschen in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Um die Bedeutung von Antisemitismus und anderen Formen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit auch lokal nachvollziehen zu können, unternehmen die 10. Klassen zu Beginn des neuen Jahres eine Gedenkstättenfahrt zu einem Ort, an dem an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert wird.

In diesem Jahr führte die Exkursion nach Dorsten zum Jüdischen Museum Westfalen. Dort hatte das Team der Museumspädagogik ein mehrteiliges Programm für die Geschichtskurse vorbereitet. Bei einer Führung durch die Dauerausstellung lernten die Schülerinnen und Schüler verschiedene Aspekte des Judentums kennen. Unter dem Motto »L’Chaim! – Auf das Leben!« zeigt das Museum dort die vielfältige Geschichte und Tradition des Judentums in Deutschland – und auch speziell in Westfalen. Anhand von Exponaten wie einer Tora-Rolle gaben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Museums den Besuchern spannende Einblicke in die jüdische Religion und Kultur. Dabei ging die Ausstellung auch auf die Lebenswege jüdischer Menschen und ihre Verankerung in der Region ein. Viele jüdische Westfalen engagierten sich bis 1933 in ihrem Dorf, ihrer Nachbarschaft oder in Vereinen. Auch dieser Aspekt wurde anhand der Exponate deutlich: So zeigte das Museum die Königsplakette des jüdischen Viehhändlers Leeser Landau aus Ramsdorf, der im Verein St. Walburgis Schützenkönig wurde.

Neben der Vielfalt der jüdischen Kultur und Geschichte zeigte die Ausstellung jedoch auch die Verfolgung und Ausgrenzung, denen Jüdinnen und Juden auch in Westfalen zur Zeit des Nationalsozialismus ausgesetzt waren und die schließlich in die Schoah führten – den Völkermord an sechs Millionen europäischen Juden. Die Bedeutung der Diskriminierung und Verfolgung wurde dabei auch in mehreren Workshops greifbarer gemacht. So ermittelten die Schülerinnen und Schüler, wie sich die über 2.000 antijüdischen Gesetze auf einen „normalen Tag“ im Leben eines Jugendlichen auswirken würden. Dabei wurde deutlich, wie die zahlreichen schikanierenden Vorschriften einem jüdischen Schüler nach und nach fast alle Bereiche des normalen Alltagslebens nahmen – vom Ausschluss aus Vereinen und Schulen über das Verbot von Haustieren und Schokolade bis hin zur Vertreibung aus der eigenen Wohnung.

Ein weiterer Workshop setzte sich mit der Erinnerungskultur auseinander. So lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Biografien jüdischer Menschen aus der Region kennen, die die Schoah überlebt hatten und ihre Erfahrungen weitergaben. Dabei wurden auch verschiedene Formen der Erinnerung und des Gedenkens an diejenigen Opfer des Nationalsozialismus thematisiert, die den Völkermord nicht überlebten.
Wir bedanken uns herzlich beim Jüdischen Museum Westfalen für die spannenden Führungen und Workshops, die die Bedeutung von Erinnerungskultur in der Gegenwart eindrucksvoll deutlich gemacht haben.